“Mutterschutz Goes East” oder “Ich kann machen, dass die Luft stinkt”

Unser Bassist, der Alex, ist umgezogen. Nach Alt Rehse hat es ihn verschlagen, von hier betrachtet, an den Arsch der Welt. Seine Frau, die Inge, hat uns gebeten, den Alex mit einem Spontanbesuch inklusive Konzert zu überraschen. Ich gebe zu, ich hatte so meine Bedenken, was die Geschichte betraf. 820 Kilometer zusammen mit drei anderen Bekloppten 11 Stunden im Auto und ein Puplikum, das nicht der klassischen Zielgruppe entspricht. Letztlich haben wir uns entschieden, die Einladung anzunehmen. Es folgt eine kurze Geschichte über das “Abenteuer Alt Rehse”.




820 Kilometer von Käshofen nach Alt Rehse. Übrigends die weiteste Entfernung die man von Käshofen aus innerhalb Deutschlands zurück legen kann, sind 860 Kilometer! Nicht schlecht, oder?

Nach endlosen Diskussionen haben wir entschieden, mit einem Auto zu fahren. Das einzige Fahrzeug, das unsere Anforderungen erfüllen konnte, war der 21 Jahre alte Mercedes-Kombi von Fitsch. Geschätzte neun Erdumrundungen hat die Karre auf dem Buckel, ganz genau weiß man das nicht, da vor circa fünf Jahren der Kilometerzähler seinen Dienst quittiert hat. Am Abend vor der Fahrt hat Fitsch seinem Benz noch ein Paar “neue” Stoßdämpfer spendiert. Dabei haben die Spezialisten allerdings vergessen, die hydraulische Niveauregulierung mit ent- sprechendem Öl zu füllen. Dies sollte sich im Laufe der Fahrt noch bemerkbar machen, aber dazu später mehr.




Wir haben nur das Nötigste mitgenommen!!!.



Die Stoßdämpfer zu wechseln, war nicht das Einzige was Fitsch am Vorabend verbrochen hat. Passend zu einer elfstündigen Autofahrt gab’s bei “Fitschens” Knoblauchsalat. Der hat gestunken wie eine gammelige Dönerbude. Durch die drangvolle Enge im Auto und den Gestank kam man sich vor wie eine türkische Großfamilie auf dem Weg nach Anatolien und nicht wie eine Rockband auf großer Deutschlandtour.

Bereits auf dem Weg zur Autobahn beschlich mich das komische Gefühl, dass mit dem Benz irgendwas nicht stimmte. Jede Unebenheit quittierte der Daimler mit achtfachem Nachwippen. Ich bin kein Kfz-Mechaniker, aber ich weiß, dass sich neue Stoßdämpfer anders anfühlen. Naja, die Straße war schlecht, wir waren müde, also scheiß drauf, wird schon irgendwie gutgehen. Es ging natürlich nicht gut. Wer Fitsch kennt, weiß, dass man die eine oder andere Überraschung einplanen muß. Er is ja ein ganz ein Lieber, aber manchmal eben ein wenig verpeilt. (Siehe oben, kein Öl in der Niveauregulierung) Für alle Nichtmechaniker möchte ich kurz erklären, wie sich das äußert. Zunächst stellten wir fest, dass die Scheinwerfer die Hinweisschilder hell erleuchteten. Und zwar die über der Fahrbahn! Das Schaukeln wurde mit zunehmender Geschwindigkeit immer schlimmer, vergleichbar mit Sex in einem Wasserbett. Im Grunde fuhren wir ohne Federrung auf der Hinterachse. Nach circa 250 km Geschaukel hatte auch der Letzte die Schnauze voll, und wir entschieden eine Mercedes-Werkstatt anzulaufen, um dem Problem ein Ende zu bereiten. Immerhin einen Liter Öl hat Fitsch besorgt, der aus einem achtfachen immerhin ein vierfaches Nachwippen machte, an das wir uns nach fünf Stunden Fahrzeit endgültig gewöhnt hatten.

  
Wer schon mal versucht hat im Auto zu schlafen,fühlt bei den folgenden Schlafimpressionen mit.





Der hat während der ganzen Fahrt nicht ein einziges mal geschlafen!
 



Schlimmer geht’s wirklich nicht!
 
“Fahrtpausen”


Das “Schloss” (Gemeinschaftshaus)

 
Auftritt-Location

Empfangskomitee

Das letzte Bandfoto



Der letzte gemeinsame Gig




Unsere Unterkunft

Hier haben wir die (kurze) Nacht verbracht. Auch wenn das Zimmer den Charme eines Stasi-Verhörraumes hatte, so war es für mich in dieser Nacht genau so schön wie ein Zimmer im Hilton. Allerdings liebe Inge, die versprochenen heissen Bräute waren nicht zu finden, nur ein Typ in Unterhosen, der sich über den Lärm beim Rauchen vor der Tür beschwert hat.

  
So unterschiedlich sieht morgentliches Erwachen aus

 
 
Skeptische Blicke wegen des ökologisch wertvollen Frühstücks



Wenn es ihn nicht gäbe, müsste man ihn erfinden!!!


Die Heimfahrt verlief weitestgehend ereignislos, abgesehen von dem Umstand, dass Sixpacks Gedärm mit den ökologischen Köstlichkeiten, mit denen wir versorgt wurden, etwas überfordert war. Dieses teilte er uns in Form übelrichender Gase mit. Zunächst entbrannte im Auto eine etwa halbstündige gegenseitige Schuldzuweisung, die letztlich den Schuldigen entlarvte. Geholfen hat uns das allerdings nix, denn deswegen hat Six nicht mit dem Blähen aufgehört. Ich kann Euch sagen, das roch, als hätte er am Vortag eine alte Frau gefressen. Beschlagene Scheiben und ein übles Brennen in den Augen waren dabei noch die harmlosesten Symptome. Während ich das elektrische Schiebedach öffnete, ahnte ich bereits, dass es Probleme geben könnte. Denn als die “Luft” im Auto ausgetauscht war, und ich das Dach wieder schließen wollte, tat sich rein gar nichts. Mit einer inzwischen erworbenen Gleichgültigkeit Fitschs Mercedes betreffend, bat ich die Herrschaften auf den hinteren Plätzen mal kräftig zu schieben, schließlich heißt es ja auch Schiebedach. (Nomen est Omen). Gegen halb elf trudelten wir in Käshofen ein, jeder einzelne von uns roch wie ein Iltis, von den zerknautschten Gesichtern erst gar nicht zu reden.

Trotz anfänglicher Bedenken hat sich unser Trip wirklich gelohnt. Wir haben erfahren, dass wir zehn Stunden zusammen im Auto verbringen können und anschließend noch miteinander reden. Wir haben viele nette Menschen kennengelernt, die sich auf uns und unsere Musik eingelassen haben und dabei auch noch Spaß hatten. Wir durften fünf Zugaben geben, ab jetzt neuer Rekord. Nachdem wir die letzten Gigs eher vor der “Armverschränkerfraktion” absolviert haben, war es mal wieder ein irres Gefühl, vor einem Puplikum zu spielen, das so richtig mitzieht. Wir möchten uns bei Inge, Alex und all jenen bedanken, die uns mit soviel Gastfreundschaft aufgenommen haben, wenn das mit dem Open Air im nächsten Jahr wirklich klappt, sind wir definitiv dabei.

Ganz persönlich möchte ich mich bei Birgit bedanken, die mir vor unserem Auftritt noch eine Cranio-Sacral-Massage zuteil werden ließ. Ich kann nicht genau sagen, ob es geholfen hat, aber allein die Tatsache von einer attraktiven Frau 15 Minuten im Nacken “gestreichelt” zu werden, hat mich sehr entspannt, ich hätte das auch länger ausgehalten.

In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal.

 Michael (Saft)